Kreisverband Krefeld

 

Bankverbindung - IBAN: DE80320500000000316380 Sparkasse Krefeld

 

 

 


Besucher: web counter

Login für Nutzer
Login

© 16.04.2018 Grüne KV Krefeld

Kommunalwahlprogramm 2014 - Stadtplanung

Stadtentwicklung im Wandel

Städte gewinnen für alle Bevölkerungsgruppen als Lebensraum, Wohnstandort und Arbeitsort wieder an Bedeutung. Heute leben etwa 80 Prozent aller Menschen in Nordrhein-Westfalen in Städten. Unsere Städte sind Wissenszentren und Quellen für Wachstum und Innovation, kulturelle und kreative Aktivitäten, nachhaltige Entwicklung und Schaffung von Arbeitsplätzen. In ihnen konzentrieren sich historische, kulturelle, soziale und bauliche Vielfalt und deren Zusammenwirken sowie wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten. Gleichzeitig stehen sie vor großen Herausforderungen: Die Bevölkerung wird älter und vielfältiger. Die soziale Spaltung wächst, die Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen nimmt zu, in einigen Gebieten fehlt preisgünstiger und geeigneter Wohnraum, in anderen steht Wohnraum leer, weil mit dem demografischen Wandel schon allgemeine Schrumpfungsprozesse eingesetzt haben. Die Entwicklung von Stadt- und Ortsteilen ist eine ganzheitliche Aufgabe. Darum wollen wir das Handeln aller am Prozess der Stadtentwicklung und Wohnungsbauförderung beteiligten Personen und Institutionen verbindlicher abstimmen und öffentliche und private Investitionen besser koordinieren.

 

Ganzheitliche Planungspolitik

Ganzheitliche Planungspolitik bedeutet, dass bei allen zukünftigen Entwicklungen stets die Belange der gesamten Stadt berücksichtigt werden müssen. Grundlage dafür ist der neu aufgestellte Flächennutzungsplan (FNP), der nach unserer Überzeugung noch vor der Kommunalwahl vom Rat der Stadt Krefeld beschlossen werden muss. Dieser FNP weist mit seinem reduzierten Verbrauch an Flächen ein Stück in die richtige Richtung.

Die Verbesserung der Lebensqualität in der Innenstadt ist uns Grünen immer schon ein zentrales Anliegen im Sinne einer umsichtigen Stadtentwicklungspolitik gewesen. Statt gegen sinkende Bevölkerungszahlen auf die Ausweisung neuer Wohngebiete am Rande der Stadt zu setzen, fordern wir eine nachhaltige Planungspolitik, die auf neue Versiegelung von Landschaft verzichtet. So lehnen wir weiterhin die Bebauung im Fischelner Osten und im Westen von Hüls ab.

 

Innenstadtquartiere entwickeln, Identität schaffen

Die Entwicklung der Innenstadt mit einem hohen Potential an stadtprägenden Gebäuden und ganzen Straßenzügen aus der Gründerzeit muss vorrangig erfolgen.

Das Hauptaugenmerk soll dabei auf die Quartiere gelegt werden, in denen viele Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionen, Familien, Alleinstehende, Alte und Junge auf engem Raum zusammen leben. Hier müssen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass ein positives soziales Klima entsteht, in dem gern gelebt wird, Investitionen gedeihen und neue Bewohner, Einzelhändler und Selbständige sich ansiedeln wollen.

Mit Hilfe des von Bund aufgelegten Stadtumbau-West-Programms ist es in den letzten Jahren gelungen, hoffnungsvolle Impulse im Herzen der Stadt zu setzen. So beeinflusst z.B. die gelungene Neugestaltung des Corneliusplatzes und der Blumenstraße den Umgang mit der umliegenden Bausubstanz. Immer mehr alte Gebäude werden nach einem Besitzerwechsel grundsaniert, bieten einen gefälligen Anblick, werten das Stadtbild auf, animieren zur Nachahmung. Deshalb ist die Realisierung der noch anstehenden Projekte wie die Schaffung eines multifunktionalen Platzes vor dem Kaiser-Wilhelm-Museum, die Umgestaltung des Blumenplatzes und die Stadtgartensanierung von großer Bedeutung für die positive Entwicklung der Innenstadt.

Diesen Prozess trotz Nothaushaltslage weiter zu forcieren, sehen wir als dringliche Aufgabe an, um die gesellschaftlichen, ökologischen, aber auch wirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Es geht darum, die Stadt als Wohn- Lebens-, Arbeits- und Freizeitraum zu begreifen und zu gestalten. Es geht uns dabei um mehr Grün- und Freiflächen, um Ästhetik und Baukultur, Lärm- und Verkehrsminderung, Erhalt von Infrastruktur und historischer Bausubstanz und nicht zuletzt auch um Barrierefreiheit.

 

Das große Plus der Innenstadt: Funktionierende Infrastruktur

Das Prinzip der kurzen Wege zu den Infrastruktureinrichtungen, das die Innenstadt auszeichnet, ist für alle dort Lebenden von großem Vorteil, sowohl für Kinder, deren Schulweg nur wenige Meter beträgt, als auch für diejenigen, die beim Besuch von Mediothek, Theater, Bezirksverwaltung oder Stadtmarkt auf den Einsatz ihres PKWs verzichten können. Eine intakte Innenstadt mit vitaler Bevölkerungsstruktur birgt Chancen sowohl für den Erhalt der städtischen Infrastruktur als auch für die Ansiedlung von vielschichtigem Einzelhandel und Gastronomie.

 

Qualitätsvolle, bezahlbare Wohnungen schaffen

Als Impulsgeber für die Schaffung von qualitätsvollem Wohnraum auch im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus ist in den letzten Jahren vor allem die Krefelder Wohnstätte Krefeld aufgetreten. Ihre Investitionen in Neubauten sowie in die Sanierung ihrer alter Bausubstanz sind richtig und wichtig. Es ist zu überlegen, ob zum Aufgabengebiet der Wohnstätte nicht auch der Ankauf und die Sanierung der vielerorts leer stehenden historischen Gebäude in der Innenstadt gehören sollte.

Die Übernahme des Projekts Alte Samtweberei an der Lewerentzstraße durch die gemeinnützige Montag-Stiftung birgt ein großes Erneuerungs- und Aufwertungspotential für die südliche Innenstadt. Wir Grüne haben uns vorgenommen, dieses Projekt zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern konstruktiv zu begleiten.

Als sinnvolle Ergänzung des künftigen Wohnungsangebots betrachten wir die Entwicklung der unter Denkmalschutz stehenden Kaserne auf der Kempener Allee sowie die Umwidmung des Kasernengeländes im Forstwald als Wohnbaufläche.

 

Bedürfnissen aller Generationen gerecht werden

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels müssen wir entsprechend der veränderten Bedürfnisse der Menschen planen. So darf sich die Antwort auf eine immer älter werdende Gesellschaft nicht im Bau von immer mehr Altenheimen erschöpfen. Neue Wohnformen können helfen, dass auch ärmere alleinstehende alte Menschen so lange wie möglich selbstbestimmt mitten im Quartier leben können. Für uns ist ganz klar: Hier muss die Stadt eine zentrale gut aufgestellte Beratungs- und Vermittlungsfunktion erfüllen.

Wir wollen dafür sorgen, dass Krefeld barrierefrei wird, um Menschen mit Handycaps größt mögliche Bewegungsfreiheit zu verschaffen.

Gleichzeitig müssen auch die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt werden. Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten sind abgestimmt auf die entsprechenden Altersgruppen zu schaffen.

 

Stadtteilzentren stärken

Stadtteilzentren bieten den Menschen die Möglichkeit, sich auf kurzen Wegen zu versorgen und die Freizeit zu verbringen. Solch intakte Stadtteilzentren dürfen nicht durch weitere Ansiedlung von Großmärkten gefährdet werden.

Positiv sehen wir Investitionen, die sich günstig auf die Stadtteilentwicklung auswirken wie z.B. die angestrebte Rheinblick-Bebauung und die Sanierung des Rheindeiches.

 

Historische Bausubstanz bewahren

Eine lebendige Stadt muss offen sein für Veränderungen. Doch diese Veränderungsprozesse müssen schlüssig und von einer guten Architektursprache geleitet sein.

Der ursprüngliche Charme unsere Stadt, wie er u.a. im Bereich der vier Wälle noch gut ablesbar ist, muss unbedingt erhalten bleiben. Stadtbildprägende historische Bausubstanz wollen wir durch Gestaltungssatzungen schützen. Eigentümer müssen bei der Sanierung ihrer denkmalwürdigen Gebäude mehr fachliche Beratung von Seiten der Stadt erfahren. Bei energetischer Sanierung ist darauf zu achten, dass die historische Fassade nach Möglichkeit nicht zerstört wird. Hausbesitzer, die ihre Immobilien über Jahre verfallen lassen und somit das Erscheinungsbild eines ganzen Quartiers in Mitleidenschaft ziehen, müssen von der Stadt stärker in die Pflicht genommen werden. Es sind alle Möglichkeiten der rechtlichen Einflussnahme auszuschöpfen.

 

Ökologisches Bauen

Bei der Aufstellung von neuen Bebauungsplänen sind ökologische Standards und nachhaltige Ziele zu berücksichtigen. Das bezieht sich nicht nur auf die Versorgung mit Energie unter Einbeziehung erneuerbarer Quellen, sondern auch auf die strikte Einhaltung von Niedrigenergiestandards, die Begrünung von Dachflächen und die Regenwasserversickerung auf den Flächen. Ebenso sind Fragen der Mobilität im Sinne einer ökologischen Nutzung durch ÖPNV-Angebote zu beachten.

 

Mobilität und Klima

Mobil zu sein bedeutet, am öffentlichen Leben teilhaben zu können. Unsere Verkehrspolitik richtet sich danach aus, allen Menschen die größtmögliche Bewegungsfreiheit zu lassen. Die Einrichtung von Zonen, in denen sich alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtig bewegen können („Shared space“), sind intensiv zu prüfen. Zugleich wollen wir die Energie- und Klimawende auch im Verkehr umsetzen. Wir wollen die negativen Folgen des motorisierten Verkehrs wie Lärm und Luftverschmutzung so gering wie möglich halten und auf Bahn-, Bus-, Rad- und Fußverkehr umsteigen und lehnen den Ausbau des Flughafen Düsseldorf ab.

Es wird von uns angestrebt, die Regelgeschwindigkeit im Ort mit Ausnahme einiger Vorbehaltsstraßen auf Tempo 30 zu reduzieren. Damit sind Vorteile für alle Verkehrsteilnehmer und Bewohner von Krefeld verbunden.

Parkraum steht in unserer Stadt schon jetzt in ausreichendem Maße zur Verfügung.

Durch entsprechende Maßnahmen ist der Parksuchverkehr einzuschränken. Der Durchgangsverkehr ist aus der Innenstadt fernzuhalten. Für viele Quartiere sind Anwohnerparken und Quartiersgaragen zu schaffen. Gefragt sind dabei die Stadt, die Investoren und die Anlieger.

Die Anbindung Krefelds an den Personenschienenverkehr wird seiner Funktion als Oberzentrum bei weitem nicht gerecht. Die jüngst eingerichtete täglich einmalige IC-Direktverbindung nach Berlin kann die sonstige Abkopplung vom Fernverkehr nicht kompensieren. Dies gilt in besonderem Maße, da auch ein S-Bahn Anschluss von PendlerInnen und anderen Reisenden schmerzlich vermisst wird. Auch der künftige Rhein-Ruhr-Express wird am Niederrhein vorbeigeplant. Dies hat unklare Auswirkungen auf die bisher bestehenden Verbindungen. Wir setzen uns deshalb für eine bedarfsgerechte und damit deutlich größere Berücksichtigung Krefelds bei der Netzplanung ein.

 

Grüne Leitlinien für den Radverkehr in Krefeld

Nach allgemeinen Schätzungen gibt es in Krefeld mit einem Anteil von 21% Radelnden am Gesamtverkehr eine überdurchschnittlich hohe Beteiligung an dieser umweltfreundlichen Fortbewegungsart. Verkehrsplanern fehlen aber gültige Daten zum Modal Split. Deshalb unterstützen wir die Erhebung zu den unterschiedlichen Verkehrsmitteln, die vom Land gefördert wird und zukunftsfähige und umweltfreundliche Verkehrsplanung ermöglichen würde.

Die Mittel für die Sanierung und den Ausbau der Radwege sind sukzessive gekürzt worden und stehen im krassen Widerspruch zum tatsächlichen Bedarf. Hinzu kommt, dass befestigte Radwege zunehmend in einem so desolaten Zustand sind, dass sich bei vielen befestigten Radwegen nur noch die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht als Lösung anbietet.

Wir fordern für die Zukunft eine Umschichtung der Straßenbaumittel für Radwegebau, einfache und fahrradfreundliche Lösungen wie mehr Rad- und Angebotsstreifen, Fahrradstraßen, weitere Öffnung von Einbahnstraßen, eine Stärkung des Umweltverbunds von Rad und Bahn und eine stärkere Ausweisung selbstständiger Radwege. Die Tour „Rund um Krefeld“ gehört wie die Krefelder Promenade zu den Leuchtturmprojekten für Krefeld.

Unerträglich hohe Unfallzahlen vor allem durch Rechtsabbieger müssen gestoppt werden durch klare Sichtbeziehungen an Kreuzungen, mehr Grün für Radelnde und Tempo 30. Kreuzungen müssen insgesamt fahrradfreundlicher gestaltet werden.

 

Weitere interessante Links:

 

Bündnis Krefeld für Toleranz und Demokratie
Werkhaus Krefeld