1. Der Ausschuss für Soziales, Arbeit, Wohnen, Gesundheit, Integration, Senioren und Inklusion beschließt, dass der Zuschuss für den Tagesaufenthalt der Wohnungsnotfallhilfen an der Lutherstraße im Haushalt 2026 auf die notwendige Höhe von 878.252,32€ Personalkosten angehoben wird. Hierfür werden die erforderlichen zusätzlichen Mittel für Personal- und Sachkosten bereitgestellt und eine Dynamisierung zur Abfederung von Tarifergebnissen und Inflation den Folgejahren eingestellt. Zusätzlich werden 1,5 VZÄ Sozialarbeit bei der Diakonie für Streetwork rund um den Lutherplatz und die Lutherstraße geschaffen und finanziert.
2. Die Sachkosten des Tagesaufenthalts werden von derzeit 160.000€ auf mindestens 200.000€ jährlich erhöht.
3. Die Verwaltung begibt sich unter Einbeziehung der Diakonie als Trägerin und der Innenstadtkoordination auf die weitere Suche nach einer geeigneten Immobilie für einen Tagesaufenthalt in der Innenstadt innerhalb der Ringe und berichtet im Ausschuss regelmäßig über die Fortschritte. Die notwendigen Finanzmittel werden im Haushalt eingeplant.
4. Die Verwaltung wird beauftragt, den Umbau der Einrichtung Lutherstraße sowie den Neubau der Einrichtung Feldstraße wieder in die Prioritätenliste des Zentralen Gebäudemanagements aufzunehmen und dem Rat einen Zeit- und Maßnahmenplan vorzulegen.
Begründung
Die aktuelle Situation im und rund um den Tagesaufenthalt Lutherstraße zeigt deutlich, dass die bestehenden Kapazitäten und die Finanzierung der Einrichtung nicht mehr ausreichen.
Der Tagesaufenthalt ist ursprünglich für etwa 30 Personen ausgelegt. Tatsächlich halten sich dort regelmäßig bis zu 100 Personen gleichzeitig auf. Die Einrichtung übernimmt damit weit über ihre ursprüngliche Konzeption hinaus eine zentrale Funktion in der Versorgung wohnungsloser Menschen in Krefeld.
Die Unterbringung und Betreuung wohnungsloser Menschen ist eine kommunale Pflichtaufgabe. Die derzeitige Ausstattung wird dem tatsächlichen Bedarf erkennbar nicht mehr gerecht.
Die Diakonie als Trägerin hat nachvollziehbar dargelegt, dass zur Sicherstellung eines verlässlichen Betriebes mindestens 12,5 Vollzeitäquivalente erforderlich sind. Grundlage hierfür ist eine durchgehende Besetzung mit sieben Mitarbeitenden im Tagesdienst zur Absicherung des Betriebs, zur Vermeidung von Überlastung sowie zur Kompensation von Ausfällen durch Krankheit, Urlaub oder sonstige Abwesenheiten.
Die kalkulierten jährlichen Personalkosten belaufen sich auf:
– 732.252,32 € für 12,51 VZÄ
– zuzüglich rund 146.000 € für Leitung und Koordination.
Damit ergibt sich ein Gesamtbedarf bei den Personalkosten von rund 878.252,32 € jährlich.
Gerechnet wurden bei Öffnungszeiten an 365 Tagen im Jahr von 7 bis 21 Uhr sieben Mitarbeitende im Schichtdienst. Damit gibt es auch bei Urlaub oder langfristiger Erkrankung von Mitarbeitenden einen Puffer gegen Ausfälle und die Möglichkeit die Gäste im Tagesaufenthalt bedarfsgerecht zu betreuen. Die Zahl ergibt sich aus 7 Tage x 7,8 Stunden pro Schicht x 365 Tage = 19.929 Jahresstunden, die durchschnittliche zeitliche Arbeitsleistung pro VZE liegt bei 1606 Stunden pro Jahr.
Auch bei den Sachkosten besteht Handlungsbedarf. Die aktuellen Mittel in Höhe von 160.000 € sind nur knapp auskömmlich. Allein für Miete und Reinigung fallen rund 97.600 € jährlich an. Hinzu kommen Sach-, Kommunikations- und Betriebskosten. Eine Erhöhung auf mindestens 200.000 € jährlich ist daher sachgerecht.
Darüber hinaus besteht erheblicher baulicher Handlungsbedarf. Sowohl der Umbau der Lutherstraße als auch der Neubau der Feldstraße sind für eine menschenwürdige Versorgung wohnungsloser Menschen erforderlich und müssen deshalb wieder prioritär durch das Zentrale Gebäudemanagement bearbeitet werden.
Die aktuelle Situation ist weder für die Nutzerinnen und Nutzer, noch für die Beschäftigten, noch für die Anwohnerinnen und Anwohner dauerhaft tragbar und ist daher auch in Zeiten starker Haushaltsbelastungen notwendig.