Im Naturschutzbeirat am 30. Juli wurden erstmalig Details zum geplanten Bau einer Trinkwassertransportleitung von Moers über Krefeld nach Grevenbroich vorgestellt.
Die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen Krefeld fordert aufgrund der dargestellten Pläne eine sorgfältige Abwägung zwischen Versorgungssicherheit und Naturschutz.
„Eine zuverlässige und krisenfeste Trinkwasserversorgung braucht Redundanzen. Es ist grundsätzlich richtig, die Wasserversorgung resilienter aufzustellen und sich gegen die Folgen des Klimawandels oder technischer Ausfälle abzusichern“, erklärt die umweltpolitische Sprecherin Roxy Motté. „Aber eine Planung, die kilometerlange Schneisen durch mehrere Naturschutzgebiete schlägt und dauerhaft sieben Meter breite baumfreie Schutzstreifen hinterlässt, ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel. Dadurch werden wertvolle Lebensräume zerschnitten, ökologische Verbundstrukturen unterbrochen und sensible Ökosysteme dauerhaft beeinträchtigt. Wir erwarten, dass ernsthaft geprüft wird, ob Trassenführungen entlang bestehender Infrastruktur wie Autobahnen oder Bundesstraßen möglich sind.“
Nach den bisherigen Planungen würde die Leitung unter anderem die Naturschutzgebiete Niepkuhlen, Riethbenden, Hülser Bruch und Flöthbach tangieren. Nach Angaben der Verwaltung befindet sich das Vorhaben derzeit im Scoping-Verfahren der Bezirksregierung Düsseldorf. Bereits 2023 hatte die Stadt Krefeld eine umfangreiche Stellungnahme mit zahlreichen Hinweisen abgegeben. Im März 2026 fand ein weiterer Scoping-Termin statt; derzeit werden umfassende Umweltuntersuchungen vorbereitet. Erst im weiteren Verfahren erfolgt die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange. Auf Antrag der Grünen soll das Projekt zudem im Umweltausschuss vorgestellt werden.
Auch die grüne Regionalratsfraktion sieht Defizite im bisherigen Verfahren.
Anja Cäsar, planungspolitische Sprecherin der Grünen Fraktion im Regionalrat Düsseldorf erklärt: „Das Verfahren liegt in den Händen der Bezirksregierung, der Regionalrat wird allerdings nicht automatisch beteiligt, was bei einem Vorhaben mit solch erheblichen Auswirkungen auf Natur, Landschaft und die regionale Wasserversorgung in unseren Augen unverständlich ist. Es braucht größtmögliche Transparenz und eine nachvollziehbare Prüfung aller Alternativen – umso wichtiger wäre eine frühzeitige und transparente Information aller politischen Gremien.”
Die Grünen fordern, dass im weiteren Verfahren sämtliche Trassenvarianten nachvollziehbar untersucht und die Auswirkungen auf Natur, Landschaft, Wasserhaushalt und Klima umfassend bewertet werden. Versorgungssicherheit und Naturschutz dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Ziel müsse eine Lösung sein, die beides gewährleistet.